Großes Interesse an der alten Spinnerei
VON IRMGARD WALDERICH UND VEIT MÜLLER
WANNWEIL. Die Spinnerei hat das arme Wannweil einstmals wohlhabend
gemacht. »Man ist hierher gekommen, um zu arbeiten«, erinnerte am
Mittwochabend Bürgermeisterin Anette Rösch an längst vergangene Zeiten.
Links die Supermärkte, rechts die Wohnbebauung, in der Mitte
die historischen Gebäude und drum herum viel Grün. So sieht der Plan
für das Spinnerei-Gelände aus. REPRO: BÜRO REIK
Jetzt will die Holy AG ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte des
Geländes aufschlagen: Wohnen, Arbeiten und Einkaufen auf dem Areal der
alten Fabrik. Rund 50 bis 60 Wohneinheiten sollen entstehen, dazu
Loftgewerbe und Loftwohnungen. Platz für rund 150 bis 250 Menschen. Über
hundert Interessierte kamen zur Bürgeranhörung. Planer Albrecht Reuß,
Marcus Reutter von der Holy AG und die Bürgermeisterin standen den
Wannweilern Rede und Antwort.
Rundgang: Das Mädchenheim kommt weg, die große »Säulenhalle« bleibt bestehen. Über 50 Wannweiler fanden sich vor Ort ein, um vor der Bürgeranhörung das Gelände zu besichtigen. Für einen früheren Mitarbeiter des Unternehmens wurde sie zu »einer Reise in die Vergangenheit«. Zuerst zeigte Anette Rösch die beiden Gebäude, die abgebrochen werden: das alte Mädchenwohnheim, in dem auch mal ein Kindergarten untergebracht war, und das gegenüberliegende Pförtnergebäude, das derzeit noch bewohnt ist. Der Wegfall der Gebäude, die über eine schlechte Bausubstanz verfügen, soll den Blick freimachen, auf das »Schmuckstück« des Industrieensembles, die große Halle, die übrigens nach Auskunft von Rösch nicht unter Denkmalschutz steht. Viele staunten nicht schlecht, als sie das Innere der Halle betraten. Der Spinnerei-Raum ist voller Säulen. Das große Gebäude mit Sheddach, wird außen nicht verändert, »der historische Industriecharakter soll erhalten bleiben«, erklärte Rösch. Die Säulen können aber nicht alle stehen bleiben, weil sonst eine sinnvolle gewerbliche Nutzung im Inneren in einer Art Loftstil nicht möglich wäre. Weiter ging die Führung an der Echaz entlang zu den Holzschuppen, die derzeit für die Pferdehaltung genutzt werden. Auch sie sollen abgerissen werden. An ihrer Stelle werden keine neuen Gebäude entstehen. Das Gebäude gleich daneben steht ebenfalls auf der Abrissliste. Es sieht mit seinem eindrucksvollen Fachwerk von außen noch recht attraktiv aus. Im Inneren ist es aber wohl in einem schlechten Zustand und von der Aufteilung her auch schlecht für den Wohnungsbau nutzbar. Erhalten bleiben dagegen der Kanal, wie auch das Wasserkraftwerk, das für 300 Haushalte Strom liefern kann. Das neue Wohn- und Geschäftsviertel der Alten Spinnerei wird später also in Sachen Strom ein Selbstversorger sein. Auch das Baumwolllager im Klinkerstil sowie ein weiteres Lagergebäude bleiben stehen. Bei Helmut Kern sorgte der Rundgang für gemischte Gefühle. »Ich habe hier eine angenehme Zeit erlebt«, sagt er im Rückblick. Fügt aber auch hinzu, dass die Menschen in der damaligen Zeit nicht so anspruchsvoll gewesen seien und »froh waren, dass sie Arbeit hatten«. Kern hat in der Spinnerei seine Lehre absolviert und über zehn Jahre als kaufmännischer Angestellter gearbeitet. Er führte viele Besucher durch die Industrieanlage: »Ich habe hier alles sehr gut gekannt«.
Supermarkt: »Für was braucht die Gemeinde Wannweil hier einen Supermarkt?« Diese Frage einer Zuhörerin löste nicht nur missmutiges Raunen im Zuhörersaal aus, sondern war der Auftakt zu einer längeren Diskussion rund um die geplanten zwei Einzelhandelsmärkte von je 800 Quadratmetern. Diese Ansieldung war eine Vorgabe der Gemeinde. Sie verstellen den Blick auf das historische Ensemble, monierte eine Wannweilerin. Was Bürgermeisterin Rösch vehement bestritt. Schließlich habe der Planer darauf geachtet, dass der Blick als Erstes auf die alten Gebäude falle. Den »Spagat zwischen Nahversorger und Loftgewerbe«, also zwischen Supermarktbau und hochwertiger Architektur, will der Planer mit Aufbauten auf den flachen Marktgebäuden lösen. Sorgen um die Zukunft der Wannweiler Händler wurden laut. »Was bedeutet das für unseren Hofladen?«, fragte etwa Cornelia Hayes. »Ich kann die Angst von jedem Einzelhändler verstehen«, sagte Anette Rösch. Aber in Wannweil sei die Spinnerei der einzige Standort, wo ein Nahversorger angesiedelt werden könne. Schon jetzt verliere Wannweil sehr viel Kaufkraft an die Nachbargemeinden.
Bäume: Das Gelände ist an vielen Stellen grün. Und das soll auch so bleiben. »Nicht jeder Baum kann erhalten werden, aber wir gehen behutsam damit um«, versprach Albrecht Reuß den Zuhörern. Vor allem an den Gewässern soll viel von dem, was dort schon wächst, auch weiter wachsen dürfen. Fallen werden allerdings die Birken an der Hauptstraße. Dort entstehen Parkplätze und dahinter eine neue Baumreihe. Die muss aber erst gepflanzt werden.
Wasser: »Ich sehe keinen Zugang zur Echaz für Kinder«, monierte ein Zuhörer. »Braucht man auch nicht, die fallen da sonst bloß rein«, war es prompt weiter hinten zu hören. Tatsächlich ist bisher kein Zugang zu den Gewässern im Spinnereigelände vorgesehen. Im Gegenteil. Es sei eher die Frage, ob der Triebswerkkanal mit einem Zaun geschützt werden muss, sagte Marcus Reutter. Sehr offen ist die Holy AG aber, was die Echaz angeht. Ein Zugang sei durchaus denkbar, so Reutter. Zurückhaltung dagegen bei der Bürgermeisterin. »Die Echaz ist für Kinder sehr gefährlich.«
Überschwemmung: Das Hochwasser 2002 hat sich in das Gedächtnis der Wannweiler gegraben. Kein Wunder also, dass nun Ängste geäußert wurden, hier werde womöglich wertvolles Überschwemmungsgebiet zugebaut. Sollte tatsächlich durch die Bebauung Wasser verdrängt werden, müsse flussaufwärts dafür gesorgt werden, dass die Echaz genügend Raum bekomme, sich bei Hochwasser auszubreiten, versuchte Rösch die Bedenken zu zerstreuen.
Hauptstraße: Die Zufahrt zur Hauptstraße wird leicht versetzt. Ungeklärt ist aber noch, ob es eine Abbiegespur Richtung Spinnerei oder gar einen Verkehrskreisel geben wird. Auch eine Fußgängerampel könnte sich Rösch gut vorstellen.
Wege: Das Gelände rund um die Spinnerei bleibt in privater Hand. Nur die Bauplätze werden verkauft. Allerdings wird das Gebiet von öffentlichen Wegen durchzogen. Irgendwann soll es eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger über die Echaz geben. Sie jetzt schon zu bauen, hält die Bürgermeisterin aber für verfrüht. Erst müsse geklärt werden, was künftig mit dem Sportplatz geschieht. Klar ist aber: Fußgänger und Radfahrer werden sich in einigen Jahren von der Mühle bis zur Spinnerei an der Echaz entlang autofrei bewegen können.
Altlasten: Über hundert Jahre lang wurde auf dem Gelände produziert. Jetzt kommt die Wohnbebauung. Die Bauplätze müssen frei von Altlasten verkauft werden, das ist Gesetz. Die Holy AG habe deshalb ein geologisches Gutachten anfertigen lassen, beantwortete Reutter eine entsprechende Frage. Danach wurde nur in Höhe eines Öltanks und in einem Bereich an der Hauptstraße eine Belastung festgestellt. Die wird nun auf Kosten der Firma entsorgt.
Zeitplan: Bis 15. Juni können im Ortsbauamt Bedenken oder Vorschläge schriftlich oder mündlich geäußert werden. Geplant ist die Verabschiedung des Bebauungsplan-Entwurfs am 19. Juli im Gemeinderat. Danach gibt es eine weitere Anhörungsrunde. Läuft alles nach Zeitplan, dann rechnet Marcus Reutter mit Beginn der Bauarbeiten Ende diesen, Anfang nächsten Jahres. Bis alle Wohnhäuser gebaut werden, wird es dauern. »Die Baumaßnahmen werden sie schon die nächsten Jahre begleiten.« (GEA)
Rundgang: Das Mädchenheim kommt weg, die große »Säulenhalle« bleibt bestehen. Über 50 Wannweiler fanden sich vor Ort ein, um vor der Bürgeranhörung das Gelände zu besichtigen. Für einen früheren Mitarbeiter des Unternehmens wurde sie zu »einer Reise in die Vergangenheit«. Zuerst zeigte Anette Rösch die beiden Gebäude, die abgebrochen werden: das alte Mädchenwohnheim, in dem auch mal ein Kindergarten untergebracht war, und das gegenüberliegende Pförtnergebäude, das derzeit noch bewohnt ist. Der Wegfall der Gebäude, die über eine schlechte Bausubstanz verfügen, soll den Blick freimachen, auf das »Schmuckstück« des Industrieensembles, die große Halle, die übrigens nach Auskunft von Rösch nicht unter Denkmalschutz steht. Viele staunten nicht schlecht, als sie das Innere der Halle betraten. Der Spinnerei-Raum ist voller Säulen. Das große Gebäude mit Sheddach, wird außen nicht verändert, »der historische Industriecharakter soll erhalten bleiben«, erklärte Rösch. Die Säulen können aber nicht alle stehen bleiben, weil sonst eine sinnvolle gewerbliche Nutzung im Inneren in einer Art Loftstil nicht möglich wäre. Weiter ging die Führung an der Echaz entlang zu den Holzschuppen, die derzeit für die Pferdehaltung genutzt werden. Auch sie sollen abgerissen werden. An ihrer Stelle werden keine neuen Gebäude entstehen. Das Gebäude gleich daneben steht ebenfalls auf der Abrissliste. Es sieht mit seinem eindrucksvollen Fachwerk von außen noch recht attraktiv aus. Im Inneren ist es aber wohl in einem schlechten Zustand und von der Aufteilung her auch schlecht für den Wohnungsbau nutzbar. Erhalten bleiben dagegen der Kanal, wie auch das Wasserkraftwerk, das für 300 Haushalte Strom liefern kann. Das neue Wohn- und Geschäftsviertel der Alten Spinnerei wird später also in Sachen Strom ein Selbstversorger sein. Auch das Baumwolllager im Klinkerstil sowie ein weiteres Lagergebäude bleiben stehen. Bei Helmut Kern sorgte der Rundgang für gemischte Gefühle. »Ich habe hier eine angenehme Zeit erlebt«, sagt er im Rückblick. Fügt aber auch hinzu, dass die Menschen in der damaligen Zeit nicht so anspruchsvoll gewesen seien und »froh waren, dass sie Arbeit hatten«. Kern hat in der Spinnerei seine Lehre absolviert und über zehn Jahre als kaufmännischer Angestellter gearbeitet. Er führte viele Besucher durch die Industrieanlage: »Ich habe hier alles sehr gut gekannt«.
Supermarkt: »Für was braucht die Gemeinde Wannweil hier einen Supermarkt?« Diese Frage einer Zuhörerin löste nicht nur missmutiges Raunen im Zuhörersaal aus, sondern war der Auftakt zu einer längeren Diskussion rund um die geplanten zwei Einzelhandelsmärkte von je 800 Quadratmetern. Diese Ansieldung war eine Vorgabe der Gemeinde. Sie verstellen den Blick auf das historische Ensemble, monierte eine Wannweilerin. Was Bürgermeisterin Rösch vehement bestritt. Schließlich habe der Planer darauf geachtet, dass der Blick als Erstes auf die alten Gebäude falle. Den »Spagat zwischen Nahversorger und Loftgewerbe«, also zwischen Supermarktbau und hochwertiger Architektur, will der Planer mit Aufbauten auf den flachen Marktgebäuden lösen. Sorgen um die Zukunft der Wannweiler Händler wurden laut. »Was bedeutet das für unseren Hofladen?«, fragte etwa Cornelia Hayes. »Ich kann die Angst von jedem Einzelhändler verstehen«, sagte Anette Rösch. Aber in Wannweil sei die Spinnerei der einzige Standort, wo ein Nahversorger angesiedelt werden könne. Schon jetzt verliere Wannweil sehr viel Kaufkraft an die Nachbargemeinden.
Bäume: Das Gelände ist an vielen Stellen grün. Und das soll auch so bleiben. »Nicht jeder Baum kann erhalten werden, aber wir gehen behutsam damit um«, versprach Albrecht Reuß den Zuhörern. Vor allem an den Gewässern soll viel von dem, was dort schon wächst, auch weiter wachsen dürfen. Fallen werden allerdings die Birken an der Hauptstraße. Dort entstehen Parkplätze und dahinter eine neue Baumreihe. Die muss aber erst gepflanzt werden.
Wasser: »Ich sehe keinen Zugang zur Echaz für Kinder«, monierte ein Zuhörer. »Braucht man auch nicht, die fallen da sonst bloß rein«, war es prompt weiter hinten zu hören. Tatsächlich ist bisher kein Zugang zu den Gewässern im Spinnereigelände vorgesehen. Im Gegenteil. Es sei eher die Frage, ob der Triebswerkkanal mit einem Zaun geschützt werden muss, sagte Marcus Reutter. Sehr offen ist die Holy AG aber, was die Echaz angeht. Ein Zugang sei durchaus denkbar, so Reutter. Zurückhaltung dagegen bei der Bürgermeisterin. »Die Echaz ist für Kinder sehr gefährlich.«
Überschwemmung: Das Hochwasser 2002 hat sich in das Gedächtnis der Wannweiler gegraben. Kein Wunder also, dass nun Ängste geäußert wurden, hier werde womöglich wertvolles Überschwemmungsgebiet zugebaut. Sollte tatsächlich durch die Bebauung Wasser verdrängt werden, müsse flussaufwärts dafür gesorgt werden, dass die Echaz genügend Raum bekomme, sich bei Hochwasser auszubreiten, versuchte Rösch die Bedenken zu zerstreuen.
Hauptstraße: Die Zufahrt zur Hauptstraße wird leicht versetzt. Ungeklärt ist aber noch, ob es eine Abbiegespur Richtung Spinnerei oder gar einen Verkehrskreisel geben wird. Auch eine Fußgängerampel könnte sich Rösch gut vorstellen.
Wege: Das Gelände rund um die Spinnerei bleibt in privater Hand. Nur die Bauplätze werden verkauft. Allerdings wird das Gebiet von öffentlichen Wegen durchzogen. Irgendwann soll es eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger über die Echaz geben. Sie jetzt schon zu bauen, hält die Bürgermeisterin aber für verfrüht. Erst müsse geklärt werden, was künftig mit dem Sportplatz geschieht. Klar ist aber: Fußgänger und Radfahrer werden sich in einigen Jahren von der Mühle bis zur Spinnerei an der Echaz entlang autofrei bewegen können.
Altlasten: Über hundert Jahre lang wurde auf dem Gelände produziert. Jetzt kommt die Wohnbebauung. Die Bauplätze müssen frei von Altlasten verkauft werden, das ist Gesetz. Die Holy AG habe deshalb ein geologisches Gutachten anfertigen lassen, beantwortete Reutter eine entsprechende Frage. Danach wurde nur in Höhe eines Öltanks und in einem Bereich an der Hauptstraße eine Belastung festgestellt. Die wird nun auf Kosten der Firma entsorgt.
Zeitplan: Bis 15. Juni können im Ortsbauamt Bedenken oder Vorschläge schriftlich oder mündlich geäußert werden. Geplant ist die Verabschiedung des Bebauungsplan-Entwurfs am 19. Juli im Gemeinderat. Danach gibt es eine weitere Anhörungsrunde. Läuft alles nach Zeitplan, dann rechnet Marcus Reutter mit Beginn der Bauarbeiten Ende diesen, Anfang nächsten Jahres. Bis alle Wohnhäuser gebaut werden, wird es dauern. »Die Baumaßnahmen werden sie schon die nächsten Jahre begleiten.« (GEA)
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