Spinnerei
Fotos aus der Umgebung der Alten Spinnerei in Wannweil
Sonntag, 18. Mai 2014
Donnerstag, 24. Januar 2013
Freitag, 18. Januar 2013
Spinnerei-Auszug aus der Wannweiler Seite
Aufnahmen von Ulrike Franz, Alte Spinnerei im November 2009
Sonntag, 13. Januar 2013
Kurze Geschichte der Spinnerei & Weberei Wannweil 1869 bis 2013, dargestellt an Archivalien aus dem Gemeindearchiv
Aus
dem Jahr 1869 haben sich erste Baupläne für den Shedbau im
Gemeindearchiv Wannweil erhalten. 1870 erfolgt die Aufnahme des
Betriebes mit 7400 Spindeln. 1924 übernimmt Fabrikant Richard Burkhardt,
der in Reutlingen Planie 30 wohnte, den Betrieb. Er wurde1877 in
Eningen geboren und starb 1958 in Reutlingen. 1934 kommt Karl Conzelmann
(Lebenszeit 1880 bis 1972) aus Tailfingen als Teilhaber hinzu. Die
Gemeinde Wannweil vergibt an R. Burkhardt zu seinem 80. Geburtstag am
16. März 1957 erstmals in ihrer Geschichte die Ehrenbürgerwürde. Karl
Conzelmann wird 1960, ebenfalls zu seinem 80. Geburtstag, zum zweiten
Ehrenbürger Wannweils ernannt. Diese beiden Herren blieben bis heute -
2013 - die einzigen Ehrenbürger Wannweils. Conzelmann stiftet 1960
namhafte Beträge an die Wannweiler Vereine und die beiden
Kirchengemeinden. Bei den Feierlichkeiten werden den Geehrten kunstvoll
gestaltete Ehrenbürgerbriefe ausgehändigt und Straßen in den
Neubaugebieten nach ihnen benannt. Dadurch bleiben die Namen der
Ehrenbürger im kollektiven Gedächtnis der Wannweiler Bevölkerung und der
ehemaligen Mitarbeiter. Nach dem Tode der beiden Ehrenbürger wurden
1972 zwei große Porträtfotos im Sitzungssaal des alten Rathauses
aufgehängt. Sie befinden sich 2013 im Gemeindearchiv.
Die
ersten Fremdarbeiter verschiedener Nationalitäten kamen bereits ab
Herbst 1939 in die Spinnerei, zumeist auf Empfehlung. 1943 ging von
einer "Rüstungsinspektion" genannten Behörde in Stuttgart die
Beschlagnahme der Hauptgebäude Spinnerei für die Zwecke der Firma
Daimler-Benz aus. Diese Firma hatte bis zur Besetzung Wannweils am 20.
April 1945 durch die Franzosen das Sagen auf dem Firmengelände. Die
Spinnerei bestand aber in wenigen Betriebsgebäuden mit den bisherigen
Teilhabern Burkhardt und Conzelmann mit etwa 100
"Gefolgschaftsmitgliedern" fort.
Die
Daimler-Arbeiter wurden durch das Arbeitsamt Reutlingen zugewiesen. Das
Führungspersonal kam von Untertürkheim, welches sich Mietwohnungen in
Wannweil suchte. Ein Barackenlager für 200 Arbeiter, die auf sogenannten
"Holzlegen" nächtigen mussten, wird in der Nähe der Spinnerei
errichtet. Das Wort "Holzlege" ist ein zeittypischer Ausdruck. Über
jeden Arbeiter wurde eine Karteikarte angelegt. Sie geben über Zu- und
Wegzug Auskunft. Diese sind teilweise 2013 noch im Gemeindearchiv
vorhanden.
In den
Jahren 1945/46 stellte die französische Besatzungsmacht wesentliche
Nachforschungen über die ausländischen Zwangsarbeiter an. Über die in
der Spinnerei während des Krieges beschäftigten nicht deutschen Arbeiter
liegen von 1946 genaue Aufstellungen vor. 50 ausländische Männer und 89
ausländische Frauen weist die Spinnerei und Weberei nach. Sie waren
teils im "neu eingerichteten Mädchenwohnheim", teils in einem
"Schlafsaal in unserem Ökonomiegebäude" oder in neuen Baracken
untergebracht, wie im April 1946 festgestellt wird. Franzosen,
Elsässer und Holländer hatten sich freiwillig oder auf Empfehlung selbst
gemeldet. Einen kinderreichen Schneidermeister hatte das Arbeitsamt in
Tomaszow aus dem damaligen "Generalgouvernement" zugewiesen. Durch die
Einberufungen zur Wehrmacht standen ja kaum mehr Deutsche auf dem
Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Nachforschungen
über die weitaus größere Anzahl der Arbeiter der Firma Daimler-Benz AG
bleiben ohne konkretes Ergebnis. Erst Ende der 1980er Jahre wurde diesem
Thema wieder Beachtung geschenkt.
Nach
dem Krieg nimmt die Spinnerei ihren Betrieb rasch wieder auf,
Materialmangel ist nun aber das große Problem. Insbesondere die ab 1948
in zunehmendem Maße zugewiesenen Heimatvertriebenen finden in der
Spinnerei schnell einen Arbeitsplatz. Für ihre Unterbringung wird das
Barackenlager nach Abzug der französischen Besatzungsmacht rasch wieder
instandgesetzt. Auf einem Luftbild von 1956 sind die Baracken noch
abgebildet. Durch den Neubau von mehreren Werkswohnungs-Gebäuden ab 1953
werden die Baracken nicht mehr gebraucht. Die Baracken waren stets
hochwassergefährdet.
Ab
den 1960er Jahren kommen nun erneut ausländische Mitarbeiter in die
Spinnerei. Sie kommen nicht mehr aus Osteuropa, sondern aus Südeuropa.
Sie werden nun "Gastarbeiter" genannt. 1987 wird die Spinnerei
geschlossen. Die Firma Holy in Metzingen übernimmt die weitläufige
Immobilie. 2012 wurde dem Gemeinderat von Wannweil ein neues
Nutzungskonzept vorgestellt. Die Werkswohnungen der 1950er Jahre
entsprechen nicht mehr heutigen Wohnansprüchen. Der Abbruch ist
vorgesehen.
Die bevorstehenden Veränderungen waren Anlass für das Zeitzeugengespräch am Donnerstag, den 10. Januar 2013, 19 Uhr in der Gemeindebücherei Wannweil.
In
der Diskussion mit 4 ehemaligen Mitarbeitern der Spinnerei, die von
Hauke Petersen moderiert wurde, könnten natürlich nur wenige Aspekte der
nun über 143 Jahre währenden Nutzungsgeschichte der oberen Fabrik
angesprochen werden.
Botho Walldorf
Mittwoch, 30. Mai 2012
Neues im GEA, Ende Mai 2012
Ortsentwicklung - Über hundert Besucher bei der Bürgeranhörung im Wannweiler Gemeindehaus
Großes Interesse an der alten Spinnerei
VON IRMGARD WALDERICH UND VEIT MÜLLER
WANNWEIL. Die Spinnerei hat das arme Wannweil einstmals wohlhabend
gemacht. »Man ist hierher gekommen, um zu arbeiten«, erinnerte am
Mittwochabend Bürgermeisterin Anette Rösch an längst vergangene Zeiten.
Links die Supermärkte, rechts die Wohnbebauung, in der Mitte
die historischen Gebäude und drum herum viel Grün. So sieht der Plan
für das Spinnerei-Gelände aus. REPRO: BÜRO REIK
Jetzt will die Holy AG ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte des
Geländes aufschlagen: Wohnen, Arbeiten und Einkaufen auf dem Areal der
alten Fabrik. Rund 50 bis 60 Wohneinheiten sollen entstehen, dazu
Loftgewerbe und Loftwohnungen. Platz für rund 150 bis 250 Menschen. Über
hundert Interessierte kamen zur Bürgeranhörung. Planer Albrecht Reuß,
Marcus Reutter von der Holy AG und die Bürgermeisterin standen den
Wannweilern Rede und Antwort.
Rundgang: Das Mädchenheim kommt weg, die große »Säulenhalle« bleibt bestehen. Über 50 Wannweiler fanden sich vor Ort ein, um vor der Bürgeranhörung das Gelände zu besichtigen. Für einen früheren Mitarbeiter des Unternehmens wurde sie zu »einer Reise in die Vergangenheit«. Zuerst zeigte Anette Rösch die beiden Gebäude, die abgebrochen werden: das alte Mädchenwohnheim, in dem auch mal ein Kindergarten untergebracht war, und das gegenüberliegende Pförtnergebäude, das derzeit noch bewohnt ist. Der Wegfall der Gebäude, die über eine schlechte Bausubstanz verfügen, soll den Blick freimachen, auf das »Schmuckstück« des Industrieensembles, die große Halle, die übrigens nach Auskunft von Rösch nicht unter Denkmalschutz steht. Viele staunten nicht schlecht, als sie das Innere der Halle betraten. Der Spinnerei-Raum ist voller Säulen. Das große Gebäude mit Sheddach, wird außen nicht verändert, »der historische Industriecharakter soll erhalten bleiben«, erklärte Rösch. Die Säulen können aber nicht alle stehen bleiben, weil sonst eine sinnvolle gewerbliche Nutzung im Inneren in einer Art Loftstil nicht möglich wäre. Weiter ging die Führung an der Echaz entlang zu den Holzschuppen, die derzeit für die Pferdehaltung genutzt werden. Auch sie sollen abgerissen werden. An ihrer Stelle werden keine neuen Gebäude entstehen. Das Gebäude gleich daneben steht ebenfalls auf der Abrissliste. Es sieht mit seinem eindrucksvollen Fachwerk von außen noch recht attraktiv aus. Im Inneren ist es aber wohl in einem schlechten Zustand und von der Aufteilung her auch schlecht für den Wohnungsbau nutzbar. Erhalten bleiben dagegen der Kanal, wie auch das Wasserkraftwerk, das für 300 Haushalte Strom liefern kann. Das neue Wohn- und Geschäftsviertel der Alten Spinnerei wird später also in Sachen Strom ein Selbstversorger sein. Auch das Baumwolllager im Klinkerstil sowie ein weiteres Lagergebäude bleiben stehen. Bei Helmut Kern sorgte der Rundgang für gemischte Gefühle. »Ich habe hier eine angenehme Zeit erlebt«, sagt er im Rückblick. Fügt aber auch hinzu, dass die Menschen in der damaligen Zeit nicht so anspruchsvoll gewesen seien und »froh waren, dass sie Arbeit hatten«. Kern hat in der Spinnerei seine Lehre absolviert und über zehn Jahre als kaufmännischer Angestellter gearbeitet. Er führte viele Besucher durch die Industrieanlage: »Ich habe hier alles sehr gut gekannt«.
Supermarkt: »Für was braucht die Gemeinde Wannweil hier einen Supermarkt?« Diese Frage einer Zuhörerin löste nicht nur missmutiges Raunen im Zuhörersaal aus, sondern war der Auftakt zu einer längeren Diskussion rund um die geplanten zwei Einzelhandelsmärkte von je 800 Quadratmetern. Diese Ansieldung war eine Vorgabe der Gemeinde. Sie verstellen den Blick auf das historische Ensemble, monierte eine Wannweilerin. Was Bürgermeisterin Rösch vehement bestritt. Schließlich habe der Planer darauf geachtet, dass der Blick als Erstes auf die alten Gebäude falle. Den »Spagat zwischen Nahversorger und Loftgewerbe«, also zwischen Supermarktbau und hochwertiger Architektur, will der Planer mit Aufbauten auf den flachen Marktgebäuden lösen. Sorgen um die Zukunft der Wannweiler Händler wurden laut. »Was bedeutet das für unseren Hofladen?«, fragte etwa Cornelia Hayes. »Ich kann die Angst von jedem Einzelhändler verstehen«, sagte Anette Rösch. Aber in Wannweil sei die Spinnerei der einzige Standort, wo ein Nahversorger angesiedelt werden könne. Schon jetzt verliere Wannweil sehr viel Kaufkraft an die Nachbargemeinden.
Bäume: Das Gelände ist an vielen Stellen grün. Und das soll auch so bleiben. »Nicht jeder Baum kann erhalten werden, aber wir gehen behutsam damit um«, versprach Albrecht Reuß den Zuhörern. Vor allem an den Gewässern soll viel von dem, was dort schon wächst, auch weiter wachsen dürfen. Fallen werden allerdings die Birken an der Hauptstraße. Dort entstehen Parkplätze und dahinter eine neue Baumreihe. Die muss aber erst gepflanzt werden.
Wasser: »Ich sehe keinen Zugang zur Echaz für Kinder«, monierte ein Zuhörer. »Braucht man auch nicht, die fallen da sonst bloß rein«, war es prompt weiter hinten zu hören. Tatsächlich ist bisher kein Zugang zu den Gewässern im Spinnereigelände vorgesehen. Im Gegenteil. Es sei eher die Frage, ob der Triebswerkkanal mit einem Zaun geschützt werden muss, sagte Marcus Reutter. Sehr offen ist die Holy AG aber, was die Echaz angeht. Ein Zugang sei durchaus denkbar, so Reutter. Zurückhaltung dagegen bei der Bürgermeisterin. »Die Echaz ist für Kinder sehr gefährlich.«
Überschwemmung: Das Hochwasser 2002 hat sich in das Gedächtnis der Wannweiler gegraben. Kein Wunder also, dass nun Ängste geäußert wurden, hier werde womöglich wertvolles Überschwemmungsgebiet zugebaut. Sollte tatsächlich durch die Bebauung Wasser verdrängt werden, müsse flussaufwärts dafür gesorgt werden, dass die Echaz genügend Raum bekomme, sich bei Hochwasser auszubreiten, versuchte Rösch die Bedenken zu zerstreuen.
Hauptstraße: Die Zufahrt zur Hauptstraße wird leicht versetzt. Ungeklärt ist aber noch, ob es eine Abbiegespur Richtung Spinnerei oder gar einen Verkehrskreisel geben wird. Auch eine Fußgängerampel könnte sich Rösch gut vorstellen.
Wege: Das Gelände rund um die Spinnerei bleibt in privater Hand. Nur die Bauplätze werden verkauft. Allerdings wird das Gebiet von öffentlichen Wegen durchzogen. Irgendwann soll es eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger über die Echaz geben. Sie jetzt schon zu bauen, hält die Bürgermeisterin aber für verfrüht. Erst müsse geklärt werden, was künftig mit dem Sportplatz geschieht. Klar ist aber: Fußgänger und Radfahrer werden sich in einigen Jahren von der Mühle bis zur Spinnerei an der Echaz entlang autofrei bewegen können.
Altlasten: Über hundert Jahre lang wurde auf dem Gelände produziert. Jetzt kommt die Wohnbebauung. Die Bauplätze müssen frei von Altlasten verkauft werden, das ist Gesetz. Die Holy AG habe deshalb ein geologisches Gutachten anfertigen lassen, beantwortete Reutter eine entsprechende Frage. Danach wurde nur in Höhe eines Öltanks und in einem Bereich an der Hauptstraße eine Belastung festgestellt. Die wird nun auf Kosten der Firma entsorgt.
Zeitplan: Bis 15. Juni können im Ortsbauamt Bedenken oder Vorschläge schriftlich oder mündlich geäußert werden. Geplant ist die Verabschiedung des Bebauungsplan-Entwurfs am 19. Juli im Gemeinderat. Danach gibt es eine weitere Anhörungsrunde. Läuft alles nach Zeitplan, dann rechnet Marcus Reutter mit Beginn der Bauarbeiten Ende diesen, Anfang nächsten Jahres. Bis alle Wohnhäuser gebaut werden, wird es dauern. »Die Baumaßnahmen werden sie schon die nächsten Jahre begleiten.« (GEA)
Rundgang: Das Mädchenheim kommt weg, die große »Säulenhalle« bleibt bestehen. Über 50 Wannweiler fanden sich vor Ort ein, um vor der Bürgeranhörung das Gelände zu besichtigen. Für einen früheren Mitarbeiter des Unternehmens wurde sie zu »einer Reise in die Vergangenheit«. Zuerst zeigte Anette Rösch die beiden Gebäude, die abgebrochen werden: das alte Mädchenwohnheim, in dem auch mal ein Kindergarten untergebracht war, und das gegenüberliegende Pförtnergebäude, das derzeit noch bewohnt ist. Der Wegfall der Gebäude, die über eine schlechte Bausubstanz verfügen, soll den Blick freimachen, auf das »Schmuckstück« des Industrieensembles, die große Halle, die übrigens nach Auskunft von Rösch nicht unter Denkmalschutz steht. Viele staunten nicht schlecht, als sie das Innere der Halle betraten. Der Spinnerei-Raum ist voller Säulen. Das große Gebäude mit Sheddach, wird außen nicht verändert, »der historische Industriecharakter soll erhalten bleiben«, erklärte Rösch. Die Säulen können aber nicht alle stehen bleiben, weil sonst eine sinnvolle gewerbliche Nutzung im Inneren in einer Art Loftstil nicht möglich wäre. Weiter ging die Führung an der Echaz entlang zu den Holzschuppen, die derzeit für die Pferdehaltung genutzt werden. Auch sie sollen abgerissen werden. An ihrer Stelle werden keine neuen Gebäude entstehen. Das Gebäude gleich daneben steht ebenfalls auf der Abrissliste. Es sieht mit seinem eindrucksvollen Fachwerk von außen noch recht attraktiv aus. Im Inneren ist es aber wohl in einem schlechten Zustand und von der Aufteilung her auch schlecht für den Wohnungsbau nutzbar. Erhalten bleiben dagegen der Kanal, wie auch das Wasserkraftwerk, das für 300 Haushalte Strom liefern kann. Das neue Wohn- und Geschäftsviertel der Alten Spinnerei wird später also in Sachen Strom ein Selbstversorger sein. Auch das Baumwolllager im Klinkerstil sowie ein weiteres Lagergebäude bleiben stehen. Bei Helmut Kern sorgte der Rundgang für gemischte Gefühle. »Ich habe hier eine angenehme Zeit erlebt«, sagt er im Rückblick. Fügt aber auch hinzu, dass die Menschen in der damaligen Zeit nicht so anspruchsvoll gewesen seien und »froh waren, dass sie Arbeit hatten«. Kern hat in der Spinnerei seine Lehre absolviert und über zehn Jahre als kaufmännischer Angestellter gearbeitet. Er führte viele Besucher durch die Industrieanlage: »Ich habe hier alles sehr gut gekannt«.
Supermarkt: »Für was braucht die Gemeinde Wannweil hier einen Supermarkt?« Diese Frage einer Zuhörerin löste nicht nur missmutiges Raunen im Zuhörersaal aus, sondern war der Auftakt zu einer längeren Diskussion rund um die geplanten zwei Einzelhandelsmärkte von je 800 Quadratmetern. Diese Ansieldung war eine Vorgabe der Gemeinde. Sie verstellen den Blick auf das historische Ensemble, monierte eine Wannweilerin. Was Bürgermeisterin Rösch vehement bestritt. Schließlich habe der Planer darauf geachtet, dass der Blick als Erstes auf die alten Gebäude falle. Den »Spagat zwischen Nahversorger und Loftgewerbe«, also zwischen Supermarktbau und hochwertiger Architektur, will der Planer mit Aufbauten auf den flachen Marktgebäuden lösen. Sorgen um die Zukunft der Wannweiler Händler wurden laut. »Was bedeutet das für unseren Hofladen?«, fragte etwa Cornelia Hayes. »Ich kann die Angst von jedem Einzelhändler verstehen«, sagte Anette Rösch. Aber in Wannweil sei die Spinnerei der einzige Standort, wo ein Nahversorger angesiedelt werden könne. Schon jetzt verliere Wannweil sehr viel Kaufkraft an die Nachbargemeinden.
Bäume: Das Gelände ist an vielen Stellen grün. Und das soll auch so bleiben. »Nicht jeder Baum kann erhalten werden, aber wir gehen behutsam damit um«, versprach Albrecht Reuß den Zuhörern. Vor allem an den Gewässern soll viel von dem, was dort schon wächst, auch weiter wachsen dürfen. Fallen werden allerdings die Birken an der Hauptstraße. Dort entstehen Parkplätze und dahinter eine neue Baumreihe. Die muss aber erst gepflanzt werden.
Wasser: »Ich sehe keinen Zugang zur Echaz für Kinder«, monierte ein Zuhörer. »Braucht man auch nicht, die fallen da sonst bloß rein«, war es prompt weiter hinten zu hören. Tatsächlich ist bisher kein Zugang zu den Gewässern im Spinnereigelände vorgesehen. Im Gegenteil. Es sei eher die Frage, ob der Triebswerkkanal mit einem Zaun geschützt werden muss, sagte Marcus Reutter. Sehr offen ist die Holy AG aber, was die Echaz angeht. Ein Zugang sei durchaus denkbar, so Reutter. Zurückhaltung dagegen bei der Bürgermeisterin. »Die Echaz ist für Kinder sehr gefährlich.«
Überschwemmung: Das Hochwasser 2002 hat sich in das Gedächtnis der Wannweiler gegraben. Kein Wunder also, dass nun Ängste geäußert wurden, hier werde womöglich wertvolles Überschwemmungsgebiet zugebaut. Sollte tatsächlich durch die Bebauung Wasser verdrängt werden, müsse flussaufwärts dafür gesorgt werden, dass die Echaz genügend Raum bekomme, sich bei Hochwasser auszubreiten, versuchte Rösch die Bedenken zu zerstreuen.
Hauptstraße: Die Zufahrt zur Hauptstraße wird leicht versetzt. Ungeklärt ist aber noch, ob es eine Abbiegespur Richtung Spinnerei oder gar einen Verkehrskreisel geben wird. Auch eine Fußgängerampel könnte sich Rösch gut vorstellen.
Wege: Das Gelände rund um die Spinnerei bleibt in privater Hand. Nur die Bauplätze werden verkauft. Allerdings wird das Gebiet von öffentlichen Wegen durchzogen. Irgendwann soll es eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger über die Echaz geben. Sie jetzt schon zu bauen, hält die Bürgermeisterin aber für verfrüht. Erst müsse geklärt werden, was künftig mit dem Sportplatz geschieht. Klar ist aber: Fußgänger und Radfahrer werden sich in einigen Jahren von der Mühle bis zur Spinnerei an der Echaz entlang autofrei bewegen können.
Altlasten: Über hundert Jahre lang wurde auf dem Gelände produziert. Jetzt kommt die Wohnbebauung. Die Bauplätze müssen frei von Altlasten verkauft werden, das ist Gesetz. Die Holy AG habe deshalb ein geologisches Gutachten anfertigen lassen, beantwortete Reutter eine entsprechende Frage. Danach wurde nur in Höhe eines Öltanks und in einem Bereich an der Hauptstraße eine Belastung festgestellt. Die wird nun auf Kosten der Firma entsorgt.
Zeitplan: Bis 15. Juni können im Ortsbauamt Bedenken oder Vorschläge schriftlich oder mündlich geäußert werden. Geplant ist die Verabschiedung des Bebauungsplan-Entwurfs am 19. Juli im Gemeinderat. Danach gibt es eine weitere Anhörungsrunde. Läuft alles nach Zeitplan, dann rechnet Marcus Reutter mit Beginn der Bauarbeiten Ende diesen, Anfang nächsten Jahres. Bis alle Wohnhäuser gebaut werden, wird es dauern. »Die Baumaßnahmen werden sie schon die nächsten Jahre begleiten.« (GEA)
Donnerstag, 22. März 2012
Lofts/Alte Spinnerei im schwäbischen Tagblatt 21.3.2012
Lofts in der Fabrikhalle
Holy plant Wohnungen, Gewerbe und Handel
Es ist das größte Wannweiler Bauprojekt seit Jahren. Die Metzinger Holy AG will auf dem Gelände der Alten Spinnerei Wohnungen, Gewerbe und Handel ansiedeln.
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Matthias Reichert
Erhalten bleiben soll möglichst viel vom historischen Bestand. Auch die große Fabrikhalle mit 8000 Quadratmetern Fläche. Sie steht seit einigen Jahren leer, zuletzt war hier ein Lager von Hugo Boss untergebracht. Jetzt sollen hier Lofts entstehen, möglicherweise über einem Innenhof. In den Lofts soll sich dann „nicht störendes“ Gewerbe ansiedeln, beispielsweise Architekten, Ingenieure und Grafiker.
Erhalten bleiben sollen auch die 13 Ateliers auf dem Gelände, in denen sich eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern angesiedelt haben. Allerdings wird das Gebäude, in dem die Ateliers untergebracht sind, voraussichtlich saniert werden. Im Gespräch ist auch Gastronomie bei den Ateliers.
Ebenfalls beibehalten will Holy das Biotop an der Echaz, das als Ausgleichsfläche angelegt ist. Ein „Bonbon“ für die Anwohner: Auf der Wiese an der Einfahrt zur Spinnerei soll ein Lebensmittelmarkt in einen Neubau einziehen, erste Vorgespräche mit Interessenten wurden dem Vernehmen nach bereits geführt.
Der Wannweiler Gemeinderat wird wohl erst im April über das Bauvorhaben diskutieren. Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt, einen Bebauungsplan über das Gelände zu legen. Näheres wollen die Beteiligten rechtzeitig zur öffentlichen Debatte mitteilen.
Bürgermeisterin Anette Rösch hatte der Alten Spinnerei schon 2009 bei der Einsetzung in ihre dritte Amtszeit das größte Wachstumspotenzial der Gemeinde bescheinigt. Bei den Haushaltsberatungen vorige Woche signalisierten nun mehrere Gemeinderäte Zustimmung für das Bauprojekt. Die neue Nutzung sei „eine Aufwertung und Bereicherung des Ortsbildes und des Wohnwertes der Gemeinde“, sagte etwa Manfred Wolfer (FWV).
ALW-Frau Gerlinde Münch kündigte an, das Projekt „ökologisch und ressourcensparend umzusetzen“. Auch CDU-Sprecher Erich Herrmann gab sich umweltbewusst und versprach, Klimaschutz und Energieverbrauch würden bei der Sanierung der Alten Spinnerei „ein wichtiges Thema werden“.
1868 gegründet, wurde die Textilfirma 1987 stillgelegt
1868 wurde die Spinnerei
von den Fabrikanten Hartmann und Seemann gebaut. 1904 wurde die Firma
Hartmann aufgelöst und die „Spinnerei & Weberei Wannweil GmbH“ neu
gegründet. 1924 übernahm Richard Burkhardt aus Reutlingen den Betrieb.
1934 wurde Karl Conzelmann aus Tailfingen Miteigentümer. 1964 alleiniger
Besitzer. 1987 erfolgte die Stilllegung des Betriebs.
Ein Jahr später kaufte die Holy AG das gesamte Areal. Seit 1998 nutzte
Boss die Haupthalle als Lager, das Mietverhältnis dauerte bis 2006 an.
Die übrigen Immobilien sind bis heute weitgehend als Lagerflächen vermietet. 1999 mietete sich das erste von heute 13 Künstlerateliers auf dem Gelände ein.
Dienstag, 20. März 2012
2004 Vor Ort, Performance
Dietmutes Performance bei der Vernissage "Vor Ort" im Reutlinger Rathaus, 20. Juli 2004
Vernissage Vor Ort im Rathaus Reutlingen 2004
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